Ein unglaublicher Glücksmoment für das Muaythai!

Erstellt von Tobias Gerold

Detlef Türnau: „Ein unglaublicher Glücksmoment“

Detlef Türnau kann sich freuen.

Was lange währt, wird endlich gut. Das besagt ein altes Sprichwort und trifft im folgenden Fall den Nagel auf den Kopf. Denn nach jahrelanger Arbeit wurde nun Muay Thai vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell anerkannt. Wann und wie man jetzt Muay Thai bei den Olympischen Spielen sehen wird und was noch alles für Arbeit auf einen wartet, das hat uns MTBD-Präsident Detlef Türnau im Interview verraten.

GNP1.de: Muay Thai wurde vom IOC anerkannt. Was ist dir als erstes bei der Message durch den Kopf geschossen?
Detlef Türnau: Wir hatten auf dieses Ziel viele Jahre hingearbeitet und das kam für uns nicht überraschend. Jeder von uns wusste, dass Stephan Fox Anfang Dezember in Lausanne war, wo die Entscheidung fallen sollte. Als Stephan mich dann abends anrief und sagte „Wir haben es geschafft“, hatte ich mich erst mal hingesetzt und die letzten Jahre Revue passieren lassen. Ein unglaublicher Glücksmoment für mich.

Was hat den Ausschlag für die Anerkennung des Muay Thai beim IOC gegeben?
Um vom I.O.C. anerkannt zu werden, musst du 54 Vorgaben des I.O.C. erfüllen. Dazu gehören unter anderem die Mitgliedschaft in der F.I.S.U., SportAccord, WADA, A.I.M.S. und der I.W.G.A. (World Games), um nur einige zu nennen. Und die überprüfen den Weltverband, wie auch die angeschlossenen Mitgliedsverbände auf Herz und Nieren. Du musst auch Sozialprojekte nachweisen, wie wir es beim M.T.B.D. mit „Muaythai against drugs“ sehr erfolgreich geschafft haben. Für das I.O.C. war entscheidend, dass die I.F.M.A. einen traditionsreichen Sport, welcher ein Kulturgut darstellt, vertritt und fördert.

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IFMA Präsident Dr.Tapsuwan & Dr.Thomas Bach. (Quelle: Detlef Türnau)

Für wie wichtig bewertest du diesen Schritt?
Enorm wichtig. Jetzt kommen wir in Bereiche, in denen Sportler wirklich geschützt werden. Wir sprechen über Versicherungsschutz für die Thai Boxer, finanzielle Unterstützung für die Sportler und Clubs, sinnvoller Aufbau von Landes- und Bundeskadern und die Förderung junger Talente. Da unser Weltverband auch Mitglied der WADA (World Anti Doping Agency-I.O.C.) ist, können und werden jetzt auch Dopingtests durchgeführt, was den Sport sauberer macht. Wichtig ist auch, dass es weltweit ein Regelwerk im Muaythai gibt, welches den Sportlern auch tatsächlich Schutz bietet. Alle Landesverbände hier in Deutschland sind nun dabei, ihre Anträge für die Landessportbünde zu stellen, was uns sicher noch weiter nach vorne bringen wird.

Gab es auch in der Zwischenzeit einen Punkt an dem du gedacht hast, das wird nichts mehr?
Als man in Bangkok vor 20 Jahren erstmals darüber sprach, Muaythai olympisch anerkennen zu lassen, gehörte ich zu den größten Kritikern. Doch im Laufe der Jahre musste ich erkennen, mit welchem Einsatz daran gearbeitet wurde. Damals gab es unzählige Muaythai-Verbände und -Vereinigungen in Thailand, welche alle nur an ihren eigenen Profit dachten. Jeder machte, was er wollte. Erst durch die IFMA und das World Muaythai Council, welches unter der Schirmherrschaft des thailändischen Königs steht, wurden Einigungen erzielt und die anderen Verbände schlossen sich an. Das ist zum größten Teil auch ein Verdienst von Stephan Fox, einem echten deutschen Arbeitstier, welcher nie aufgab und eine Sportpolitik betrieb, welche auf Fair Play basierte, was wir auch hier in Deutschland im Muaythai Bund Deutschland übernommen haben. Fair Play ist für uns nicht nur ein Slogan. Wir leben es auch. Dies besonders in Bezug auf neue Muaythai Clubs, welche sich dem M.T.B.D. anschließen. Aber um Deine Frage zu beantworten – Seit 1994 hatte ich keine Zweifel mehr daran, dass Muaythai irgendwann olympisch anerkannt wird.

Wann wird man denn zum ersten Mal Muay Thai bei den Olympischen Spielen sehen können?
Wir haben jetzt erst mal die Provisional Membership erhalten. Laut I.O.C. Reglement werden wir in 3 Jahren Vollmitglied. Erst danach können wir den Antrag stellen, ins olympische Sportprogramm aufgenommen zu werden.

Auch wenn es noch sehr früh ist, aber wie wird der Qualifikations-Modus in Deutschland für die Spiele aussehen?
Das wissen wir jetzt noch nicht. Sicher wird es da eine Zusammenarbeit zwischen dem MTBD, dem Deutsch Olympischen Sportbund und der IFMA geben, welche die Voraussetzungen für die Teilnahme festlegen werden.

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Detlef Türnau mit der Sportministerin von Thailand. (Quelle: Detlef Türnau)

Bei der diesjährigen IFMA-Junioren WM hat das Team Deutschland so gut wie noch nie abgeschlossen. Ein Zeichen dafür, dass in den Landesverbänden bzw. bei den Heimtrainern richtig gearbeitet wird?
Ganz sicher. Wir haben drei Landesverbände, welche wirklich tolle Arbeit geleistet haben. Das sind Baden Württemberg, Bayern und Nordrhein Westfalen. Die anderen Landesverbände strukturieren sich gerade um und werden folgen. Ich wurde mal in Bangkok gefragt, warum das deutsche Team es immer wieder schafft, mit Medaillen nach Hause zu kommen, obwohl es bisher keine finanzielle Unterstützung seitens des D.O.S.B. gab. Nun, wir waren noch nicht Mitglied im D.O.S.B. und erhielten aus diesem Grund auch keine finanzielle Unterstützung. In der IFMA gab es aber bereits 58 Länder, welche seit vielen Jahren große finanzielle Zuwendungen seitens der nationalen Sportverbände erhielten. Die konnten natürlich ihre Sportler olympiareif vorbereiten und holten auch die meisten Medaillen. Dass wir immer wieder mit Medaillen nach Hause kamen, lag wohl daran, dass wir die besten deutschen Thai Boxer mitnahmen, einen tollen Teamgeist schufen, auch die Heimtrainer mit einbezogen und eine gute Vorbereitung in den Landesverbänden ablieferten.

Wenig hat man in diesem Jahr von der EML (European Muay Thai League) mitbekommen. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge und wird es eine Fortsetzung auch in Deutschland geben?
Die Europa Finals der E.M.L. finden traditionsgemäß in der Türkei statt. Dieses Jahr war schon alles geplant und die Finals standen für Istanbul, Antalya und Bucak fest. Dann rappelte es mal so richtig in der Türkei und der Ausnahmezustand wurde verhängt. Viele der teilnehmenden Finalisten hatten Bedenken, in die Türkei einzureisen. Wir haben uns dann entschlossen, die Finals zu verschieben, bis sich die politische Lage in der Türkei geändert hat. Da jetzt auch das World Muaythai Council in die E.M.L. involviert ist, sehen wir da sehr schnell Licht am Ende des Tunnels und es wird weitergehen. In Deutschland findet die nächste nationale E.M.L. am 8. April in Dresden statt und es wird wieder sehr spannend werden.

Glory hat in Oberhausen vor gut 14.000 Zuschauern sein Debüt in Deutschland gegeben. Für wie wichtig hast diesen Event für den Kampfsport in Deutschland gehalten?

Ich war noch zwei Wochen vor der Veranstaltung bei Cor Hemmers und wir haben uns über die Veranstaltung unterhalten. Ich freue mich echt für Cor, dass die Veranstaltung so gut gelaufen ist. Hinter Glory steht ein gutes Konzept und man sieht ja, wie weit dieses Konzept international gegriffen hat.

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Das IFMA-Office mit Detlef Türnau und Stephan Fox. (Quelle: Detlef Türnau)

Events und Veranstaltungen werden ja nicht von heute auf morgen geplant. Daher die Frage, was dürfen wir vom MTBD in 2017 erwarten?
Noch mehr Arbeit, ein näheres Zusammenrücken aller Thai Boxer hier in Deutschland und ein faires Miteinander. Wir sehen uns im MTBD, wie auch den Landesverbänden, als Dienstleister, welche etwas für den Sport und die Sportler erreichen möchten. Es kommt viel Arbeit auf uns zu, aber auch tolle Veranstaltungen und der Weg in die Landessportbünde. 2017 wird ein arbeitsreiches Jahr werden und wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus.

Zum Abschluss, was wünscht sich Detlef Türnau für 2017?
Ein Miteinander aller deutscher Thai Boxer auf dem Weg zu einer anerkannten Sportart.